Die Masse als Netz

Im Februar 2012 fin­det, wie hier bereits ange­kün­digt, das zweite Medi­en­wis­sen­schaft­li­che Sym­po­sium der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) zum Thema Soziale Medien – Neue Mas­sen an der Uni Lüne­burg statt. Super Thema, end­lich wird in der insti­tu­tio­na­li­sier­ten Medi­en­wis­sen­schaft mal ein Thema gepusht, das sich sonst haupt­säch­lich im Netz und damit (noch immer) par­al­lel zum eta­blier­ten Wis­sen­schafts­dis­kurs abspielt. Das erste Sym­po­sium über Das Pro­gramm der Medien 2009 war bereits ein ziem­li­cher Erfolg und das For­mat hat her­vor­ra­gend funk­tio­niert. Lei­der wurde mein Paper abge­lehnt – passt nicht ins Pro­gramm. Schade, wäre super gerne dabei gewe­sen… Hier mein Abstract für Sek­tion 4. Wel­che Öffent­lich­kei­ten: Wei­ter­le­sen »

Soziale Medien – Neue Massen

Soziale Medien – Neue Massen

Im Februar 2012 wird zum zwei­ten Mal das »Medi­en­wis­sen­schaft­li­che Sym­po­sium« der DFG statt­fin­den, des­sen Auf­gabe es ist, “die Ent­wick­lung der Medi­en­wis­sen­schaft in Deutsch­land durch die Dis­kus­sion zen­tra­ler, gemein­sam inter­es­sie­ren­der The­men vor­an­zu­brin­gen”. Der dafür aus­ge­schrie­bene CfP mit dem Titel »Soziale Medien — Neue Mas­sen« fragt nach dem Zusam­men­hang von Medien und Öffent­lich­keit – ein span­nen­des und höchst aktu­el­les Thema (das im Gegen­satz zum ers­ten Sym­po­sium zudem ein klar for­mu­lier­tes Anlie­gen hat): denn mit dem Motiv “einer brü­chig wer­den­den Beschrei­bungs­macht her­ge­brach­ter Kon­zep­tua­li­sie­run­gen von Mas­sen und Mas­sen­me­dien [und] den schon län­ger kur­sie­ren­den Dia­gno­sen zer­streu­ter Öffent­lich­kei­ten” (CfP) ist die Dis­kurs­fi­gur der Masse tat­säch­lich in eine Krise gera­ten. Betrach­tet man den Dis­kurs­ver­lauf des Mas­sen­be­griffs von den frühen Mas­sen­theo­rien des späten 19. Jahr­hun­derts über die Mas­sen­me­di­en­theo­rien des 20. Jahr­hun­derts bis zu den Netz­werk­theo­rien des 21. Jahr­hun­dert, so offen­ba­ren sich die Brü­che vor allem ent­lang der Übergänge von der indus­tri­el­len Arbeits­ge­sell­schaft zur post­in­dus­tri­el­len Mas­sen­me­di­en­ge­sell­schaft zur post­mas­sen­me­dia­len Netz­werk­ge­sell­schaft, die sich his­to­risch vor, in und nach den Mas­sen­me­dien ver­or­ten las­sen und die von unter­schied­li­chen Kon­zep­ten von Öffent­lich­keit geprägt sind. Wei­ter­le­sen »

Übertragen, Prozedieren, Speichern

Übertragen, Prozedieren, Speichern

Anläß­lich des Abschieds des Insti­tuts für Medi­en­wis­sen­schaft der Hum­boldt Uni­ver­si­tät Ber­lin aus der Sophi­enstr. war heute neben Vor­trä­gen über den Stand und Zustand der Medi­en­wis­sen­schaft von Wolf­gang Ernst und Wolf­gang Hagen wie­der mal eine kryp­ti­sche Kurz-Improvisation Fried­rich Kitt­lers zu hören (mit Rot­wein, der aber unan­ge­tas­tet blieb). Hörens­wert hin­ge­gen waren die von Claus Pias vor­ge­tra­ge­nen Aus­züge aus dem auf der Trans­me­diale 2011 vor­ge­stell­ten Band “Was waren Medien?”, die man in etwas län­ge­rer Ver­sion auch z.B. Pias Vor­trag bei den Colo­gne Media Lec­tures ent­neh­men kann und die einen gelun­ge­nen Blick nach vorn auf die metho­do­lo­gi­sche und dis­zi­pli­näre Situa­tion der Medi­en­wis­sen­schaft nach einem eupho­ri­schen Grün­dungs­jahr­zehnt wer­fen. Erst im Nach­hin­ein ist mir dabei die Buch­vor­stel­lung des von Erkki Huhtamo und Jussi Parikka her­aus­ge­ge­be­nen Bands “Media Archaeo­logy Approa­ches, App­li­ca­ti­ons, and Imp­li­ca­ti­ons” auf­ge­fal­len, den ich zunächst des­in­ter­es­siert bei­seite gelegt hatte. Die im Netz ver­füg­bare Lek­türe der Ein­lei­tung ver­spricht einen span­nen­den Band. Wei­ter­le­sen »

The Power of Open

The Power of Open

Mit “The Power of Open” hat Crea­tive Com­mons ein Ebook PDF publi­ziert, das in kur­zen und prä­gnan­ten Arti­keln die ver­schie­dens­ten Fel­der der recht­li­chen und tech­ni­schen Infra­struk­tur beleuch­tet, mit der neue For­men des Tei­lens von Wis­sen, Kunst und Daten zwi­schen Indi­vi­duen, Orga­ni­sa­tio­nen und Regie­run­gen mög­lich gewor­den sind. “The world has expe­ri­en­ced an explo­sion of open­ness. From indi­vi­dual artists opening their crea­ti­ons for input from others, to govern­ments requi­ring publi­cly fun­ded works be avail­able to the public, both the spi­rit and prac­tice of sharing is gai­ning momen­tum and pro­du­cing results”, so die Her­aus­ge­ber. Das Buch liest sich im Wesent­li­chen als eupho­ri­sche Erfolgs­ge­schichte, was sicher­lich nicht kom­plett unzu­tref­fend ist. Betrach­tet man aber bei­spiels­weise die Wis­sen­schaf­ten, so muss man etwa für Deutsch­land fest­stel­len, das Crea­tive Com­mons kaum Beach­tung fin­det. Man könnte mei­nen, man habe es mit einem schwer­fäl­li­gen Dino­sau­rier zutun, der nicht merkt, dass seine Zeit abge­lau­fen ist. Wei­ter­le­sen »

Das Internet als Masse

Das Internet als Masse

Im Deutsch­land­funk lief ges­tern die über­aus inter­es­sante Sen­dung “Revo­lu­tion online. Das Inter­net und der Umbruch in der ara­bi­schen Welt” von Andreas Noll, die sehr aus­ge­wo­gen und dif­fe­ren­ziert die Rolle sozia­ler Netz­werke für die ara­bi­schen Revo­lu­tio­nen beleuch­tet, zu der ich als “Social Net­works, social revo­lu­tion” bereits geschrie­ben habe. Die Sen­dung gibt es hier als Audio on demand. Bemer­kens­wert finde ich vor allem die Ana­lyse des Bre­mer Psy­cho­lo­gie­pro­fes­sors Peter Kruse. Kruse unter­stellt, dass das Verhältnis der Indi­vi­duen in der Masse nicht an Visua­li­tät gebun­den ist und damit zuneh­mend räum­lich pre­kär wird: “Das Inter­net kann Masse gene­rie­ren, bevor Masse sicht­bar wird. Nor­ma­ler­weise müs­sen sie immer ein Ereig­nis haben, das in irgend­ei­ner Weise medial auf­be­rei­tet wird. Jetzt sind wir in einer Situa­tion, wo durch die Sys­tem­ei­gen­schaft des Inter­nets sich Masse ent­wi­ckelt, lange bevor sie sicht­bar wird auf der Straße”. Wei­ter­le­sen »

Parteispenden Watch

Parteispenden Watch

Die Taz hat auf Basis des Bun­des­re­chen­schafts­be­richts alle Par­tei­spen­den ab 10000 Euro über­sicht­lich auf einer Karte zusam­men­ge­fasst. Die Inde­xie­rung der Geo­da­ten ist ein schö­nes Bei­spiel für das epis­te­mi­sche Poten­tial kar­to­gra­phi­scher Bild­for­men: Es ist zwar nicht mehr über­ra­schend, aber doch beein­dru­ckend zwi­schen der Tabel­len­dar­stel­lung und der Geovi­sua­li­sie­rung hin und her zu schal­ten. Der Trend digi­tale Daten­sätze in Kar­ten ein­zu­schrei­ben, also Inhalte mit Orten zu ver­knüp­fen, scheint sich wei­ter fort­zu­set­zen. Inter­es­sant finde ich dabei, dass Daten inzwi­schen nicht nur zuneh­mend orts­spe­zi­fisch gesen­det wer­den, son­dern eben auch immer mehr orts­be­zo­gen abge­ru­fen. Wenn man davon aus­geht, dass eine Infor­ma­tion immer einen Ort hat, könnte man von einer Renais­sance des Loka­len spre­chen. Denn wäh­rend die rela­tive Lage von Orten zuein­an­der durch die medi­en­tech­ni­sche Raum-Zeit-Kompression des Digi­ta­len zunächst schein­bar tri­via­li­siert wurde, d.h. der Orts­lo­sig­keit des „Glo­bal Vil­lage“ eine „Ästhetik des Ver­schwin­dens“ ent­sprach (Viri­lio), nimmt die Bedeu­tung des Ortes im Zuge der Mög­lich­kei­ten durch die Geo­co­die­rung wie­der zu. Wei­ter­le­sen »

Bambuser vs Facebook?

Bambuser vs Facebook?

Ramy Raoof, Edi­tor des zwei­spra­chi­gen Egyp­tian Blog for Human Rights,  hat eine “Tim­line of Com­mu­ni­ca­tion Shut­down during the Revo­lu­tion” für Ägyp­ten erstellt. Sol­che Zeit­leis­ten machen bestimmte Zusam­men­hänge zwar sicht­bar, sind aber durch­aus auch pro­ble­ma­tisch, weil sie eben auch leicht Zusam­men­hänge von Ereig­nis­sen impli­zie­ren, die nicht unbe­dingt mit­ein­an­der kor­re­lie­ren (siehe zum Bei­spiel auch “The Path of Pro­test” des Guar­dian). Wei­ter­le­sen »

McLuhan zum 100.

McLuhan zum 100.

Die­ses Jahr wäre McLu­han 100 gewor­den. Die trans­me­diale hat des­halb das McLu­han in Europe 2011 Netz­werk initi­iert, in des­sen Rah­men vom 27.-29. Mai in der kana­di­schen Bot­schaft die gut besetzte Kon­fe­renz Re-Touching McLu­han: The Medium is the Mas­sage statt­fin­det, die den Zusam­men­hang von “sen­ory effects of elec­tro­nic media as ‘exten­si­ons of man’ and his legacy on artistic and digi­tal cul­tu­ral prac­tice” the­ma­ti­siert. Wei­ter­le­sen »

Die Aufhebung der parlamentarischen Demokratie?

Die Aufhebung der parlamentarischen Demokratie?

Was genau ist es? Was hat das welt­weite Umden­ken in der Atom­po­li­tik ver­ur­sacht? Es sind nicht die unzäh­li­gen Demons­tra­tio­nen, es ist nicht die Anti-Atombewegung, nicht die Mei­nungs­um­fra­gen, nicht die Pannen-AKWs, Son­nen­cents, Erneuerbare-Energien-Gesetze oder Hacker­an­griffe. Die hat­ten wir auch schon vor­her und sie haben Poli­ti­ker ja auch über­zeugt für einen Atom­aus­stieg ein­zu­tre­ten aus dem dann wie­der aus­ge­stie­gen wurde, weil andere Poli­ti­ker davon nicht über­zeugt waren, weil sie von ande­ren über­zeugt wur­den. Was aber ist nun pas­siert – wer oder was hat die Kehrt­wende der Regie­rung her­bei­ge­führt? Recht­fer­ti­gungs­ver­su­che der Regie­rung begin­nen so: “Die Ereig­nisse in Fukus­hima haben gezeigt, dass…” – ja, was haben sie den gezeigt? Wei­ter­le­sen »

Veranstaltung: Interventionen – Neue Orte des Politischen

Inter­es­sante Ver­an­stal­tung über das Ver­hält­nis von Kunst, Pro­test und Geo­gra­phie am im Kör­ber­fo­rum in Ham­burg (Kehr­wie­der 12, 20457 Ham­burg) am Mitt­woch, den 15.Juni 2011: “Poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung fin­det zuneh­mend außer­halb der Par­la­mente statt. Bür­ger neh­men poli­ti­sche Anlie­gen in die Hand und grei­fen zu neuen For­men der Selbst­or­ga­ni­sa­tion. Nicht sel­ten haben dabei auch künst­le­ri­sche Inter­ven­tio­nen eine impuls­ge­bende Funk­tion. Wie wir­ken diese neuen Pro­test­for­men auf die eta­blierte Poli­tik? Und wie legi­ti­mie­ren die Akti­vis­ten ihre Pro­teste? Wei­ter­le­sen »

Call for Paper: Medienaktivismus

Inter­es­san­ter CFP der Zeit­schrift Medi­en­im­pulse: “Medi­en­ak­ti­vis­mus ist ein noch wenig erforsch­tes Ter­rain der Medi­en­wis­sen­schaft. Wider­stands­me­dien, Pro­test­me­dien, akti­vis­ti­sche Medien, Medien des Unge­hor­sams, radi­cal Media: eine breite Viel­falt von media­ler Erschei­nun­gen kre­iert und kom­mu­ni­ziert Wis­sen, das sich vom Herr­schafts­wis­sen dis­tan­ziert und die­ses an der Schnitt­stelle von Tech­nik, Poli­tik und Kunst angreift. Obwohl Medi­en­ak­ti­vis­mus meist mit den tak­ti­schen Medien der Neunziger- und frü­hen Nuller-Jahre asso­zi­iert wird, hat das Auf­be­geh­ren durch Nut­zung und Schaf­fung nicht zen­su­rier­ba­rer Medien eine lange Geschichte. Diese reicht von den Graf­fiti der Antike über die mit­tel­al­ter­li­che Kar­ne­vals­kul­tur bis zu den Pam­phlet­schrei­bern der frü­hen Neu­zeit, den Radio­pi­ra­ten des 20. Jhdts. und den gegen­wär­ti­gen Aktio­nen etwa von uebermorgen.com, den Yes­men, oder den Liens Invi­si­bles. Wei­ter­le­sen »

Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt

Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt

Am 8. und 9. April fin­det im Ber­li­ner Haus der Kul­tu­ren der Welt das zweite Zukunfts­la­bor der taz statt. Der Eröff­nungs­vor­trag “Revo­lu­tion, Demo­kra­tie, Uto­pie: Vom Inter­net über­mit­telt?” von Evgeny Moro­zov wird sicher span­nend. Gespannt bin ich aber vor allem auf “Was macht die Revo­lu­tion mit uns? Kul­tu­relle und gesell­schaft­li­che Fol­gen der Digi­ta­li­sie­rung” mit Isolde Charim, Joseph Vogl und Mer­ce­des Bunz – wird sicher zu unrecht leer wer­den, weil par­al­lel der Wikileaks-Hype abgeht. Als Vor­be­rei­tung kann ich  “Logik der Tech­nik - Das Den­ken und die Digi­ta­li­sie­rung” von Mer­ce­des Bunz sehr emp­feh­len. Dort wird in einer bemer­kens­wer­ten Elo­quenz eben jene Ein­stel­lung gegen­über der (noch immer) soge­nann­ten digi­ta­len Revo­lu­tion dis­ku­tiert, die hof­fent­lich auch Gegen­stand des Kon­gres­ses sein wird. Für mich ist eben diese Revi­sion des Revo­lu­ti­ons­be­griffs durch das Digi­tale eine span­nende Aus­ein­an­der­set­zung, der Anfangs­punkt einer Debatte über den Zusam­men­hang zwi­schen der Beschaf­fen­heit der Kom­mu­nika­tio­nen und der begriff­li­chen Trans­for­ma­tion von Poli­tik und Gesellschaft.