Das Piratische

Das Piratische

Das Pira­ti­sche ist infla­tio­när. Es durch­dringt als posi­tive wie als nega­tive Meta­pher unse­ren Kul­tur­raum: Pira­ten ent­füh­ren Con­tai­ner­schiffe, ihre frü­he­ren “Nes­ter” die­nen inzwi­schen als Offshore-Plattformen für die neuen Finanz­pi­ra­ten, Pira­ten entern die Pop­kul­tur (als Dep­pen) ebenso wie die Par­la­mente. Und schließ­lich rau­ben sie Dinge, die man nicht klauen kann. Im Sinne des Letz­te­ren hat der Social Sci­ence Rese­arch Coun­cil (SSRC) gerade “Media Piracy in Emer­ging Eco­no­mies” her­aus­ge­ge­ben. Anhand unter­schied­li­cher Facet­ten der Pira­te­rie in soge­nann­ten Schwel­len­län­dern wird die Kul­tur­tech­nik des Kopie­rens darin aus der Per­spek­tive der Kon­su­men­ten zu unter­su­chen, anstatt aus Sicht der Pro­du­zen­ten. Aus dem Vor­wort: “Piracy impo­ses an array of costs on pro­du­cers and distributors—both domestic and international—but it also pro­vi­des the main form of access in deve­lo­ping coun­tries to a wide range of media goods, from recor­ded music, to film, to soft­ware. Wei­ter­le­sen »

Data Journalism Handbook

Data Journalism Handbook

Das Data Jour­na­lism Hand­book is gerade online gegan­gen. Das Buch soll eine frei nutz­bare Quelle und Refe­renz für alle sein, die sich für das sich zuneh­mend eta­blie­rende Feld des Daten­jour­na­lis­mus sein und bie­tet tat­säch­lich sowohl eine sehr gelun­gene Ein­füh­rung in das Feld mit kon­kre­ten Fall­bei­spie­len aus der Pra­xis, als auch wei­ter gehende Anlei­tun­gen zu Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung, -ver­ar­bei­tung und-distribution. Das Pro­jekt ist ursprüng­lich auf einem Work­shop des Mozilla Fes­ti­vals 2011 in Lon­don her­vor­ge­gan­gen. Wei­ter­le­sen »

Das Versprechen der Technik

Die neue Aus­gabe der Zeit­schrift “welt-sichten” ist mit dem Schwer­punkt “Digi­tale Medien: Das Ver­spre­chen der Tech­nik” erschie­nen. Aus dem Ankün­di­gungs­text: “Von Com­pu­ter, Handy und Inter­net hat man sich große Fort­schritte bei der Bil­dung, Gesund­heits­ver­sor­gung und Armuts­be­kämp­fung in armen Län­dern ver­spro­chen. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik allein hilft hier indes wenig. Inter­net­platt­for­men durch­bre­chen jedoch Infor­ma­ti­ons­mo­no­pole; das begüns­tigt Demo­kra­tie­be­we­gun­gen wie in Malay­sia. Nicht nur des­halb ver­su­chen viele Regie­run­gen, das Netz zu zen­sie­ren.” Es ver­wun­dert mich aller­dings, dass die ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Debatte sich noch immer an der Wider­le­gung der These abar­bei­tet, dass Informations- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien allein poli­ti­sche Ver­än­de­rung ansto­ßen, wie etwa bei Ken­taro Toy­ama. Das sind wir doch schon lange drü­ber hinweg…

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Öffentlichkeit im Wandel

Öffentlichkeit im Wandel

Just in time zur Re:peublica hat die Heinrich-Böll-Stiftung den elf­ten Band in der Reihe Schrif­ten zu Bil­dung und Kul­tur her­aus­ge­ge­ben. Aus der Ankün­di­gung: “Das ver­än­derte Medi­en­ver­hal­ten und der Schwund der Wer­be­ein­nah­men in den Print­me­dien füh­ren bei den Ver­la­gen und den Sen­dern zu einer inten­si­ven Suche nach neuen Verwertungs- und Dis­tri­bu­ti­ons­mo­del­len. Die Öffent­lich­keit ist im Wan­del – nicht ohne gra­vie­rende Fol­gen für den Jour­na­lis­mus. Neue Akteure – meist ohne Zer­ti­fi­kat der Jour­na­lis­ten­schu­len – tre­ten im Inter­net auf und ver­än­dern den pro­fes­sio­nel­len Jour­na­lis­mus durch neue For­men.” Dazu gibt es einige Lese- und Hör­pro­ben sowie einen Pod­cast von Phi­lip Banse und Sarah Gott­schalk. Wei­ter­le­sen »

Digital Development Debates

Digital Development Debates

Die neue Aus­gabe von Digi­tal Deve­lop­ment Deba­tes ist seit April online und wid­ment sich dem Thema “tran­si­tion”. Lesen­wert ist zum Bei­spiel der Arti­kel “Lost in Tran­si­tion – How to Achieve Sus­tainable Media Deve­lop­ment in the 21st Cen­tury” in der Medien-Sektion von Frank Habann (Uni Offen­burg). Habann geht darin der Frage nach wie sich die Indi­ka­to­ren für die Mess­bar­keit nach­hal­ti­ger Medi­en­ent­wick­lung ver­än­dern, wenn “media orga­ni­sa­ti­ons are incre­a­sin­gly being repla­ced by online-based com­mu­nities”. Der digi­tale Medi­en­wan­del kommt bis­her tat­säch­lich nur lang­sam in der inter­na­tio­na­len Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit an. Zwar gibt es groß­ar­tige Pilot­pro­jekt, doch sind Metho­den und Eva­lua­ti­ons­kri­te­rien nach wie vor maß­geb­lich von klas­si­schen Medi­en­st­ruk­tu­ren geprägt. Das sind erste Schritte… Wei­ter­le­sen »

MICT: Reinventing the public sphere in Libya

MICT: Reinventing the public sphere in Libya

MICT hat eine neue Online-Publikation über die Trans­for­ma­tion der lybi­schen Medi­en­land­schaft her­aus­ge­ge­ben. Dort kom­men vor allem auch junge lybi­sche Jour­na­lis­ten, Blog­ger und Medi­en­ma­chenr zu Wort. Ein guter Ein- und Über­blick zur Medi­en­si­tua­tion in Lybien. Aus der Ein­lei­tung von Anja Wol­len­berg: “Almost all of the new Libyan media makers work for the cause wit­hout money. They see them­sel­ves as poli­ti­cal activists, revo­lu­tio­nary figh­ters on broad­cas­ting and publishing’s front lines. And this kind of atti­tude is necessary to Libya’s natio­nal evo­lu­tion – it is, and will con­ti­nue to be, nee­ded. Howe­ver, the power­ful poli­ti­cal ambi­ti­ons of those invol­ved in making the media are in sharp con­trast to the usual, daily func­tion of local media - that is sim­ply, to pro­vide infor­ma­tion. This core func­tion has been some­what side­lined for the time being. And it is in this area that local media will need to expand its objec­tives.” Wei­ter­le­sen »

Die Digitale Gesellschaft

Die Digitale Gesellschaft

Mar­kus Becke­dahl, des­sen Blog ich seit Jah­ren lese, hat gemein­sam mit Falk Lüke ein Buch geschrie­ben (ja auf Papier): “Die digi­tale Gesell­schaft: Netz­po­li­tik, Bür­ger­rechte und die Macht­frage” (dtv) soll eine Ein­füh­rung in die Kon­flikt­fel­der der Netz­po­li­tik geben. Aus dem Ankün­di­gungs­text: “Viele poli­ti­sche Akti­vi­tä­ten, die das Inter­net betref­fen, sind sinn­los, weil sie auf man­gelnde Sach­kennt­nis zurück­ge­hen oder tech­nisch und juris­tisch man­gel­haft durch­dacht sind. Das gilt für jeder­zeit umgeh­bare Inter­net­sper­ren gegen Kin­der­por­no­gra­fie wie für For­de­run­gen, die Anony­mi­tät im Netz auf­zu­he­ben. Nicht nur die chi­ne­si­schen Dis­si­den­ten haben Pseud­onyme, schon Tucholsky und Brandt hat­ten sie, und mit gutem Grund. Wei­ter­le­sen »

Digital Media in the Arab World One Year After the Revolutions

Das Cen­ter for Inter­na­tio­nal Media Assis­tance (CIMA) hat eine Stu­die von Jef­frey Ghan­nam ver­öf­fent­licht, die den Zusam­men­hang zwi­schen der jün­ge­ren Ver­brei­tung und Eta­blie­rung digi­ta­ler Medien und der Trans­for­ma­tion der poli­ti­schen Kul­tur in der ara­bi­schen Welt ana­ly­siert. Aus dem Ankün­di­gungs­text: “the year fol­lo­wing the start of the Arab revolutions–in Tuni­sia, Egypt, Libya and vio­lent upri­sings in Syria, Yemen, and Bahrain–was fol­lo­wed by con­ti­nued repres­sion and thre­ats to the exer­cise of free expres­sion online and off­line. But the year also saw great stri­des in the num­bers of Arabs across the region turning to social media plat­forms and the ascen­dancy of online enga­ge­ment. Wei­ter­le­sen »

Return to Tahrir und das Kernproblem politischer Aktion

Return to Tahrir und das Kernproblem politischer Aktion

Eine exzel­lente Aus­gabe von People and Power von Eliza­beth Jones über die ver­gan­ge­nen Monate in Kairo. Der Bei­trag ist wirk­lich ein sehr guter Insight in die Struk­tu­ren und Arbeits­wei­sen in Kairo, ganz jen­seits der gro­ßen Debat­ten über den Impact von Social Media. Eben diese bie­tet hin­ge­gen der Vor­trag von Ethan Zucker­man auf dem Chi­cago Huma­nities Fes­ti­val und den der Bei­trag von Mary Joyce vom Meta-Activism Pro­ject mit der Auf­for­de­rung ver­bin­det mehr danach zu fra­gen “to what extent could digi­tal media mat­ter for social change?” anstatt “how was Face­book used in the Egyp­tian Revo­lu­tion?”.  Wei­ter­le­sen »

Deutsche Spionage Software

Deutsche Spionage Software

Ges­tern abend lief in den Tages­the­men ein Bei­trag über den Ein­satz und Export deut­scher Spio­nage Soft­ware im Aus­land. Offen­bar hat die Bun­des­re­gie­rung diese Exporte mit Kredit-Garantien, soge­nann­ten “Her­mes Bürg­schaf­ten” geför­dert. Dabei han­delt es sich um eine Export­kre­dit­ver­si­che­rung, d.h. wenn der Abneh­mer nicht zahlt, springt der deut­sche Steu­er­zah­ler ein und garan­tiert die Abnahme des Pro­dukts. Es ist inzwi­schen offen­bar erwie­sen, dass ent­spre­chende Ange­bote offen­bar in Ägyp­ten und auch in ande­ren Län­dern vor­la­gen. Wiki­leaks hat in die­sem Zusam­men­hang gerade unter dem Titel “The Spy-Files” unzäh­lige Doku­mente ver­öf­fent­licht, die auch die Betei­li­gung deut­scher Unter­neh­men an der Über­wa­chung in Dik­ta­tu­ren und Unrechts­re­gi­men bele­gen. Aus dem Ein­lei­tungs­text: “When citi­zens over­th­rew the dic­ta­tor­ships in Egypt and Libya this year, they unco­vered lis­ten­ing rooms where devices from Gamma cor­po­ra­tion of the UK, Ame­sys of France, VAS­Tech of South Africa and ZTE Corp of China moni­to­red their every move online and on the phone. (…) Tro­vicor, pre­viously a sub­si­di­ary of Nokia Sie­mens Net­works, supplied the Bah­raini govern­ment with inter­cep­tion tech­no­lo­gies that tra­cked human rights activist Abdul Ghani Al Khan­jar. He was shown details of per­so­nal mobile phone con­ver­sa­ti­ons from before he was inter­ro­ga­ted and bea­ten in the win­ter of 2010-2011.” Wei­ter­le­sen »

Übertragen, Prozedieren, Speichern

Übertragen, Prozedieren, Speichern

Anläß­lich des Abschieds des Insti­tuts für Medi­en­wis­sen­schaft der Hum­boldt Uni­ver­si­tät Ber­lin aus der Sophi­enstr. war heute neben Vor­trä­gen über den Stand und Zustand der Medi­en­wis­sen­schaft von Wolf­gang Ernst und Wolf­gang Hagen wie­der mal eine kryp­ti­sche Kurz-Improvisation Fried­rich Kitt­lers zu hören (mit Rot­wein, der aber unan­ge­tas­tet blieb). Hörens­wert hin­ge­gen waren die von Claus Pias vor­ge­tra­ge­nen Aus­züge aus dem auf der Trans­me­diale 2011 vor­ge­stell­ten Band “Was waren Medien?”, die man in etwas län­ge­rer Ver­sion auch z.B. Pias Vor­trag bei den Colo­gne Media Lec­tures ent­neh­men kann und die einen gelun­ge­nen Blick nach vorn auf die metho­do­lo­gi­sche und dis­zi­pli­näre Situa­tion der Medi­en­wis­sen­schaft nach einem eupho­ri­schen Grün­dungs­jahr­zehnt wer­fen. Erst im Nach­hin­ein ist mir dabei die Buch­vor­stel­lung des von Erkki Huhtamo und Jussi Parikka her­aus­ge­ge­be­nen Bands “Media Archaeo­logy Approa­ches, App­li­ca­ti­ons, and Imp­li­ca­ti­ons” auf­ge­fal­len, den ich zunächst des­in­ter­es­siert bei­seite gelegt hatte. Die im Netz ver­füg­bare Lek­türe der Ein­lei­tung ver­spricht einen span­nen­den Band. Wei­ter­le­sen »

The Power of Open

The Power of Open

Mit “The Power of Open” hat Crea­tive Com­mons ein Ebook PDF publi­ziert, das in kur­zen und prä­gnan­ten Arti­keln die ver­schie­dens­ten Fel­der der recht­li­chen und tech­ni­schen Infra­struk­tur beleuch­tet, mit der neue For­men des Tei­lens von Wis­sen, Kunst und Daten zwi­schen Indi­vi­duen, Orga­ni­sa­tio­nen und Regie­run­gen mög­lich gewor­den sind. “The world has expe­ri­en­ced an explo­sion of open­ness. From indi­vi­dual artists opening their crea­ti­ons for input from others, to govern­ments requi­ring publi­cly fun­ded works be avail­able to the public, both the spi­rit and prac­tice of sharing is gai­ning momen­tum and pro­du­cing results”, so die Her­aus­ge­ber. Das Buch liest sich im Wesent­li­chen als eupho­ri­sche Erfolgs­ge­schichte, was sicher­lich nicht kom­plett unzu­tref­fend ist. Betrach­tet man aber bei­spiels­weise die Wis­sen­schaf­ten, so muss man etwa für Deutsch­land fest­stel­len, das Crea­tive Com­mons kaum Beach­tung fin­det. Man könnte mei­nen, man habe es mit einem schwer­fäl­li­gen Dino­sau­rier zutun, der nicht merkt, dass seine Zeit abge­lau­fen ist. Wei­ter­le­sen »