Return to Tahrir und das Kernproblem politischer Aktion

Return to Tahrir und das Kernproblem politischer Aktion

Eine exzel­lente Aus­gabe von People and Power von Eliza­beth Jones über die ver­gan­ge­nen Monate in Kairo. Der Bei­trag ist wirk­lich ein sehr guter Insight in die Struk­tu­ren und Arbeits­wei­sen in Kairo, ganz jen­seits der gro­ßen Debat­ten über den Impact von Social Media. Eben diese bie­tet hin­ge­gen der Vor­trag von Ethan Zucker­man auf dem Chi­cago Huma­nities Fes­ti­val und den der Bei­trag von Mary Joyce vom Meta-Activism Pro­ject mit der Auf­for­de­rung ver­bin­det mehr danach zu fra­gen “to what extent could digi­tal media mat­ter for social change?” anstatt “how was Face­book used in the Egyp­tian Revo­lu­tion?”.  Wei­ter­le­sen »

Deutsche Spionage Software

Deutsche Spionage Software

Ges­tern abend lief in den Tages­the­men ein Bei­trag über den Ein­satz und Export deut­scher Spio­nage Soft­ware im Aus­land. Offen­bar hat die Bun­des­re­gie­rung diese Exporte mit Kredit-Garantien, soge­nann­ten “Her­mes Bürg­schaf­ten” geför­dert. Dabei han­delt es sich um eine Export­kre­dit­ver­si­che­rung, d.h. wenn der Abneh­mer nicht zahlt, springt der deut­sche Steu­er­zah­ler ein und garan­tiert die Abnahme des Pro­dukts. Es ist inzwi­schen offen­bar erwie­sen, dass ent­spre­chende Ange­bote offen­bar in Ägyp­ten und auch in ande­ren Län­dern vor­la­gen. Wiki­leaks hat in die­sem Zusam­men­hang gerade unter dem Titel “The Spy-Files” unzäh­lige Doku­mente ver­öf­fent­licht, die auch die Betei­li­gung deut­scher Unter­neh­men an der Über­wa­chung in Dik­ta­tu­ren und Unrechts­re­gi­men bele­gen. Aus dem Ein­lei­tungs­text: “When citi­zens over­th­rew the dic­ta­tor­ships in Egypt and Libya this year, they unco­vered lis­ten­ing rooms where devices from Gamma cor­po­ra­tion of the UK, Ame­sys of France, VAS­Tech of South Africa and ZTE Corp of China moni­to­red their every move online and on the phone. (…) Tro­vicor, pre­viously a sub­si­di­ary of Nokia Sie­mens Net­works, supplied the Bah­raini govern­ment with inter­cep­tion tech­no­lo­gies that tra­cked human rights activist Abdul Ghani Al Khan­jar. He was shown details of per­so­nal mobile phone con­ver­sa­ti­ons from before he was inter­ro­ga­ted and bea­ten in the win­ter of 2010-2011.” Wei­ter­le­sen »

Übertragen, Prozedieren, Speichern

Übertragen, Prozedieren, Speichern

Anläß­lich des Abschieds des Insti­tuts für Medi­en­wis­sen­schaft der Hum­boldt Uni­ver­si­tät Ber­lin aus der Sophi­enstr. war heute neben Vor­trä­gen über den Stand und Zustand der Medi­en­wis­sen­schaft von Wolf­gang Ernst und Wolf­gang Hagen wie­der mal eine kryp­ti­sche Kurz-Improvisation Fried­rich Kitt­lers zu hören (mit Rot­wein, der aber unan­ge­tas­tet blieb). Hörens­wert hin­ge­gen waren die von Claus Pias vor­ge­tra­ge­nen Aus­züge aus dem auf der Trans­me­diale 2011 vor­ge­stell­ten Band “Was waren Medien?”, die man in etwas län­ge­rer Ver­sion auch z.B. Pias Vor­trag bei den Colo­gne Media Lec­tures ent­neh­men kann und die einen gelun­ge­nen Blick nach vorn auf die metho­do­lo­gi­sche und dis­zi­pli­näre Situa­tion der Medi­en­wis­sen­schaft nach einem eupho­ri­schen Grün­dungs­jahr­zehnt wer­fen. Erst im Nach­hin­ein ist mir dabei die Buch­vor­stel­lung des von Erkki Huhtamo und Jussi Parikka her­aus­ge­ge­be­nen Bands “Media Archaeo­logy Approa­ches, App­li­ca­ti­ons, and Imp­li­ca­ti­ons” auf­ge­fal­len, den ich zunächst des­in­ter­es­siert bei­seite gelegt hatte. Die im Netz ver­füg­bare Lek­türe der Ein­lei­tung ver­spricht einen span­nen­den Band. Wei­ter­le­sen »

The Power of Open

The Power of Open

Mit “The Power of Open” hat Crea­tive Com­mons ein Ebook PDF publi­ziert, das in kur­zen und prä­gnan­ten Arti­keln die ver­schie­dens­ten Fel­der der recht­li­chen und tech­ni­schen Infra­struk­tur beleuch­tet, mit der neue For­men des Tei­lens von Wis­sen, Kunst und Daten zwi­schen Indi­vi­duen, Orga­ni­sa­tio­nen und Regie­run­gen mög­lich gewor­den sind. “The world has expe­ri­en­ced an explo­sion of open­ness. From indi­vi­dual artists opening their crea­ti­ons for input from others, to govern­ments requi­ring publi­cly fun­ded works be avail­able to the public, both the spi­rit and prac­tice of sharing is gai­ning momen­tum and pro­du­cing results”, so die Her­aus­ge­ber. Das Buch liest sich im Wesent­li­chen als eupho­ri­sche Erfolgs­ge­schichte, was sicher­lich nicht kom­plett unzu­tref­fend ist. Betrach­tet man aber bei­spiels­weise die Wis­sen­schaf­ten, so muss man etwa für Deutsch­land fest­stel­len, das Crea­tive Com­mons kaum Beach­tung fin­det. Man könnte mei­nen, man habe es mit einem schwer­fäl­li­gen Dino­sau­rier zutun, der nicht merkt, dass seine Zeit abge­lau­fen ist. Wei­ter­le­sen »

Das Internet als Masse

Das Internet als Masse

Im Deutsch­land­funk lief ges­tern die über­aus inter­es­sante Sen­dung “Revo­lu­tion online. Das Inter­net und der Umbruch in der ara­bi­schen Welt” von Andreas Noll, die sehr aus­ge­wo­gen und dif­fe­ren­ziert die Rolle sozia­ler Netz­werke für die ara­bi­schen Revo­lu­tio­nen beleuch­tet, zu der ich als “Social Net­works, social revo­lu­tion” bereits geschrie­ben habe. Die Sen­dung gibt es hier als Audio on demand. Bemer­kens­wert finde ich vor allem die Ana­lyse des Bre­mer Psy­cho­lo­gie­pro­fes­sors Peter Kruse. Kruse unter­stellt, dass das Verhältnis der Indi­vi­duen in der Masse nicht an Visua­li­tät gebun­den ist und damit zuneh­mend räum­lich pre­kär wird: “Das Inter­net kann Masse gene­rie­ren, bevor Masse sicht­bar wird. Nor­ma­ler­weise müs­sen sie immer ein Ereig­nis haben, das in irgend­ei­ner Weise medial auf­be­rei­tet wird. Jetzt sind wir in einer Situa­tion, wo durch die Sys­tem­ei­gen­schaft des Inter­nets sich Masse ent­wi­ckelt, lange bevor sie sicht­bar wird auf der Straße”. Wei­ter­le­sen »

Call for Paper: Medienaktivismus

Inter­es­san­ter CFP der Zeit­schrift Medi­en­im­pulse: “Medi­en­ak­ti­vis­mus ist ein noch wenig erforsch­tes Ter­rain der Medi­en­wis­sen­schaft. Wider­stands­me­dien, Pro­test­me­dien, akti­vis­ti­sche Medien, Medien des Unge­hor­sams, radi­cal Media: eine breite Viel­falt von media­ler Erschei­nun­gen kre­iert und kom­mu­ni­ziert Wis­sen, das sich vom Herr­schafts­wis­sen dis­tan­ziert und die­ses an der Schnitt­stelle von Tech­nik, Poli­tik und Kunst angreift. Obwohl Medi­en­ak­ti­vis­mus meist mit den tak­ti­schen Medien der Neunziger- und frü­hen Nuller-Jahre asso­zi­iert wird, hat das Auf­be­geh­ren durch Nut­zung und Schaf­fung nicht zen­su­rier­ba­rer Medien eine lange Geschichte. Diese reicht von den Graf­fiti der Antike über die mit­tel­al­ter­li­che Kar­ne­vals­kul­tur bis zu den Pam­phlet­schrei­bern der frü­hen Neu­zeit, den Radio­pi­ra­ten des 20. Jhdts. und den gegen­wär­ti­gen Aktio­nen etwa von uebermorgen.com, den Yes­men, oder den Liens Invi­si­bles. Wei­ter­le­sen »

Social networks, social revolution?

Social networks, social revolution?

Span­nende Dis­kus­sion über die Rolle von Social Net­works in der letz­ten Empire-Folge von Mar­wan Bis­hara (Al Jazeera Englishs senior poli­ti­cal ana­lyst): “Youtube, Face­book and Twit­ter have become the new wea­pons of mass mobi­li­sa­tion. Are social net­works trig­ge­ring social revo­lu­tion? And where will the next domino fall?”. Hoch­ka­rä­tig besetzt mit Carl Bern­stein, Amy Good­man, Evgeny Moro­zov, Emily Bell und Clay Shirky. Inter­es­sant finde ich ins­be­son­dere die Frage nach dem Trig­ger: immer wie­der wird behaup­tet, Face­book oder Twit­ter hät­ten irgend­wel­che Pro­teste “aus­ge­löst”: das war bereits für die Ukraine und den Iran der Fall, nun in Tune­sien oder Ägyp­ten. Ist es nicht merk­wür­dig, dass sich die­ses Miß­ver­ständ­nis immer noch wei­ter ver­brei­tet? So neu sind die neuen Medien doch nun auch nicht mehr. Die Aura des Revo­lu­tio­nä­ren, die Twit­ter etwa im Vor­spann der Sen­dung erfährt, halte ich für ebenso falsch, wie die Begriffe trig­ger oder wea­pon. Wei­ter­le­sen »

Digital Bomb

Digital Bomb

Diese Woche läuft “Digi­tal Bomb” auf Arte.tv – übri­gens auch im Fern­se­hen, aber das ist hier eher neben­säch­lich. Ein bemer­kens­wer­ter Blick auf die soziale, ökono­mi­sche, mediale, poli­ti­sche Dimen­sion des Web (ich bin froh, dass ich hier nicht mehr den Begriff Web 2.0 ver­wende). Aus­gangs­punkt ist dabei jene Umschich­tung von Dis­tri­bu­ti­ons­me­cha­nis­men, die Ber­nard Stieg­ler for­mu­liert: “wir ver­än­dern gerade Modelle die zuvor aus­schliess­lich top-down und stark hier­ar­chisch orga­ni­siert gewe­sen sind und in denen die Pro­duk­tion und die Kon­sump­tion stark von­ein­an­der abge­grenzt waren”. Dies meint nicht nur die Inver­sion von Sender-Empfänger-Modellen, son­dern eine grund­le­gende Ver­än­de­run­gung der kul­tu­rel­len Form – eine Erkennt­nis, die im Bereich der Kom­mu­ni­ka­tion längst selbst­ver­ständ­lich ist, für Ökono­mie und Poli­tik aber nach wie vor nur unzu­rei­chend erschlos­sen ist (Stieg­ler ist übri­gens Direk­tor einer inter­es­san­ten For­schungs­ein­rich­tung, des Insti­tute for Rese­arch and Inno­va­tion am Centre Pom­pi­dou, das die Evo­lu­tion “of rela­ti­onships bet­ween cul­tu­ral insti­tu­ti­ons, their works, and the public” unter­sucht). Wei­ter­le­sen »

Digital Activism Decoded

Mit “Digi­tal Activism Deco­ded - The new Mecha­nics of Change” ist eine inter­es­sante Publi­ka­tion erschie­nen, die den Zusam­men­hang von digi­ta­len Medien und Akti­vis­mus the­ma­ti­siert. Der von Mary Joyce vom Meta Activism Pro­ject her­aus­ge­ge­bene Band füllt inso­fern eine Lücke, als dass zwar inzwi­schen unzäh­lige ein­zelne Arti­kel und Case Stu­dies exis­tie­ren, die sich mit der Bezie­hung digi­ta­ler Medien und poli­ti­schem Han­deln aus­ein­an­der­set­zen (ange­führt von den immer wie­der­keh­ren­den popu­lä­ren Bei­spie­len Obama-Wahlkampf und Twitter-Revolution im Iran), eine umfas­sende und sys­te­ma­ti­sche The­ma­ti­se­rung sowie eine dis­zi­pli­näre Situ­ie­rung und Posi­tio­nie­rung aller­dings wei­ter­hin aus­stand. Wei­ter­le­sen »

ZfM / In Gegenwart der Medien

Die zweite Aus­gabe der Zeit­schrift für Medien-wissenschaft mit dem Titel Mate­ria­li­tät / Imma­te­ria­li­tät ist erschie­nen. Emp­feh­lens­wert finde ich vor allem die Bespre­chun­gen von Tobias Wer­ron (Media Glo­ba­liza­tion in Ques­tion. Ein sozio­lo­gi­scher Blick auf medi­en­his­to­ri­sche Bei­träge zur Glo­ba­li­sie­rungs­for­schung) und Chris­tine Hanke (Bild­wis­sen­schaf­ten leh­ren). Das IKKM lädt anläß­lich des Erschei­nens am Mon­tag, den 7. Juni 2010, 20 Uhr im HAU 2 (Hal­le­sches Ufer 32, 10963 Ber­lin) zu einem Gespräch zur media­len Situa­tion des Intel­lek­tu­el­len mit Hans Ulrich Gum­brecht, Bern­hard Sie­gert und Sieg­fried Zie­lin­ski, mode­riert von Wolf­gang Hagen. Wei­ter­le­sen »

Datenschatten

Datenschatten

Es ist all­seits bekannt, dass unsere digi­ta­len Fuss­ab­drü­cke (Ein­käufe, Tele­fo­nate, Emails, Flug­rei­sen, Grenz­über­que­run­gen) heute gespei­chert und aus­ge­wer­tet wer­den. Zusätz­lich wer­den inzwi­schen aber zuneh­mend auch Geo­da­ten in Algo­ryth­men über­setzt, als Daten­sätze gespei­chert und zu Pro­fi­len deco­diert. Diese Kor­re­pon­denz von Daten und ent­spre­chen­den Geo­codes lenkt die Auf­merk­sam­keit dabei auf die Situa­tio­nen (auf das Wo & Wann) der Medi­en­nut­zung: dabei ste­hen vor allem die Fra­gen nach der Ver­or­tung von Medi­en­nut­zung sowie nach der Loka­li­sie­rung des Medi­en­nut­zers im Mit­tel­punkt. So stel­len immer mehr stand­ort­ba­sierte Dienste ent­spre­chende Dienst­leis­tun­gen zur Ver­fü­gung, die genau auf die Preis­gabe unse­res Stand­orts abzie­len – vor dem Hin­ter­grund der zuneh­men­den Kom­mo­di­fi­zie­rung urba­ner Räume ein eher unbe­hag­li­cher Gedanke, der eine neue Dimen­sion des Data Mining eröff­net hat. Wei­ter­le­sen »