Was genau ist es? Was hat das weltweite Umdenken in der Atompolitik verursacht? Es sind nicht die unzähligen Demonstrationen, es ist nicht die Anti-Atombewegung, nicht die Meinungsumfragen, nicht die Pannen-AKWs, Sonnencents, Erneuerbare-Energien-Gesetze oder Hackerangriffe. Die hatten wir auch schon vorher und sie haben Politiker ja auch überzeugt für einen Atomausstieg einzutreten aus dem dann wieder ausgestiegen wurde, weil andere Politiker davon nicht überzeugt waren, weil sie von anderen überzeugt wurden. Was aber ist nun passiert – wer oder was hat die Kehrtwende der Regierung herbeigeführt? Rechtfertigungsversuche der Regierung beginnen so: “Die Ereignisse in Fukushima haben gezeigt, dass…” – ja, was haben sie den gezeigt?
Nichts was wir vorher nicht gewusst haben, kein Risiko, das vorher nicht berechnet worden war. Es ist vielmehr das Vor-Augen-Führen der Katastrophe, die Sichbarmachung des Ereignisses, die zeigt, dass es die Bilder sind, die diese Entscheidungsprozesse steuern. Ähnlich wie die Ikonen der Twin-Towers von 9-11 sind es hier nun die Bilder eines Atomkraftwerks, denen wir uns nicht entziehen können, aus der Luft, aus der Ferne, verschwommen, undeutlich, diffus, im Dunst verschwindend, die eine unsichtbare Bedrohung sichtbar machen und damit als Akteure in den politischen Prozess eingreifen. Sie allein entlarven die rhetorisch verschleierte Einsicht und damit die Korrumpiertheit der Entscheidungsträger. Die Bilder sind mächtiger als die Bürger. (Bild: daveeza CC-BY-SA)










dem letzten Satz würde ich gerne widersprechen. Diese Bilder konnten nur so eine Macht ausüben, nicht nur weil sie uns massenhaft vor Augen geführt wurden, sondern weil sie Massen dazu bewegten diese Bildern mit politischen Forderungen zu verknüpfen. Ohne diese Verbindung von Bild und Protest, auf der Strasse oder sonstwo, hätten diese Bilder nicht die politische Strahlkraft entwickeln können, die sie hierzulande entwickelt haben. In anderen Ländern wurden diese Bilder auch gezeigt und dennoch gab es keine politischen Veränderungen. In Deutschland allerdings schon, weil es ein breite oder sagen wir kritische Masse gab, die auf dem Sprungbrett dieser Bilder einen tiefgreifenden Veränderungsprozess erzwang. Die Wirkung des Bildes wurde ein Mittel zum Zweck. Damit werden die Bilder wieder nur zum Vehikel nicht zur eigentlichen Machtquelle.
@Daphne. Danke, das ist ja genau der Punkt: Die Bilder haben sicherlich ein enormes Mobilisierungspotential freigesetzt, die Frage ist aber: wer hat hier am Ende wen überzeugt? Wer ist hier für wen oder was das Mittel zum Zweck für politische Veränderungen? Bzw.: Hat die “kritische Masse” die Bilder wirklich konkret als Waffe instrumentalisiert? Oder hat weniger die Masse auf der Straße überzeugt, sondern vor allem die Bilder selbst als visuelle Argumente? Natürlich kann man Bilder nicht als politisches Programm begreifen, aber sie bewirken, was der Protestbewegeung vorher nicht gelungen war, auch nach dem bilderlosen Tschernobyl nicht. Ich denke schon wir erleben hier eine Transformation der Akteure. Und Bilder sind dabei nicht nur Mittel oder Stellvertreter oder Evidenzeffekte.
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