Datavis - Neue Codes für Gedächtnismaschinen

Ich hatte zuletzt im Rah­men des Arti­kels über Daten­trans­pa­renz den man­gel­haf­ten Zugriff auf öffent­li­che Daten in Deutsch­land kri­ti­siert. Im Anschluß daran habe ich mal ein wenig über die sich ver­än­dern­den For­men und For­mate von daten­be­zo­ge­nem Wis­sen recher­chiert, die sich im Zuge einer zugriffs­of­fe­ne­ren Daten­lage erge­ben haben und dabei einige span­nende Pro­jekte ent­deckt. Doch zunächst muss man viel­leicht etwas vor­grei­fen um den gene­rel­len Zusam­men­hang zu erfas­sen, in dem diese Ver­än­de­rung sich voll­zieht. Denn die Tech­ni­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung aller mög­li­chen Aspekte der Lebens­welt ermög­licht nicht nur einen ver­än­der­ten Zugriff und Umgang mit Daten, son­dern ermög­licht zunächst ein­mal völ­lig neue For­men des Abtas­tens und Erfas­sens, also der Daten­er­he­bung. Nun fußt die Kri­tik an der feh­len­den Zugriffs­of­fen­heit von Daten vor allem in einer unzu­rei­chen­den Kor­re­spon­denz von Daten­er­he­bung und Daten­aus­wer­tung. Sprich: wenn immer grö­ßere Teile unse­res Han­delns in Algo­ryth­men übersetzt, als Datensätze gespei­chert und zu Prof­len deco­diert wer­den, benö­tigt man ent­spre­chende Stra­te­gien um der ent­ste­hen­den Daten­flut zu begeg­nen. Dies wirft die Frage nach den Werk­zeu­gen und Instru­men­ten auf, mit denen wir kom­plexe Daten­zu­sam­men­hänge dar­stel­len und ver­steh­bar machen können.

Seit ein paar Wochen ist zum Bei­spiel das Pro­jekt visualizing.org online, das auf die sich erge­be­nen Pro­bleme der zuneh­men­den Ver­füg­bar­keit von (öffent­li­chen) Daten rea­giert: “By some esti­ma­tes, we now create more data each year than in the ent­i­rety of prior human history. Data visua­liza­tion helps us approach, inter­pret, and extract know­ledge from this infor­ma­tion. […] We crea­ted Visualizing.org because we want to help con­nect the pro­li­fe­ra­tion of public data… with a com­mu­nity that can help us under­stand this data… with the gene­ral public.” (visualizing.org). Das Pro­jekt ist als Platt­form zur Ver­öf­fent­li­chung von Daten­vi­sua­li­sie­run­gen ange­legt, stellt aber gleich­zei­tig auch die Quel­len zur Ver­fü­gung, mit denen diese umge­setzt wer­den (kön­nen): beson­ders gefällt mir zum Bei­spiel die Dar­stel­lung von Flücht­lings­strö­men auf der Basis des UNHCR Refu­gee Report von Chris­tian Beh­rens (FH Pots­dam, niceone.org). Über den Influ­ence Explo­rer kann man unter­su­chen, wie unter­schied­li­che Lob­by­grup­pen die Poli­tik beein­flus­sen. Bei Google Insights for Search kann man ver­fol­gen wie Youtube und Face­book Sex als pro­mi­nen­tere Such­be­griffe ablö­sen. Gap­min­der gehört schon zu den älte­ren Pro­jek­ten und hat mit der Visua­li­sie­rung von Daten im Rah­men der United Nati­ons Mil­le­nium Deve­lop­ment Goals nicht nur große Auf­merk­sam­keit, son­dern auch eine neue “fact based world view” etabliert.

Ins­ge­samt lässt sich die The­ma­tik in einen Zusam­men­hang mit der Frage nach einem ange­mes­se­nen Con­tent Manage­ment stel­len: die Gedächt­nis­ma­schi­nen, die wir pro­du­zie­ren ver­lan­gen nach neuen Ord­nungs­struk­tu­ren und Dar­stel­lungs­for­men, um nicht dys­funk­tio­nal zu wer­den. So stellt etwa Wigley fest: „Con­tent Manage­ment […] is the set of pro­to­cols that must be intro­du­ced when pro­duc­tion, dis­tri­bu­tion and con­sump­tion are no lon­ger easily dis­tin­gu­is­hable. (…) When pro­duc­tion is collec­tive, con­ti­nous, par­al­lel, uneven and deter­ri­to­ria­li­zed while con­sum­tion beco­mes a kind of aut­hor­ship, new pro­to­cols of access and archi­ving are nee­ded.” (Wigley 2008,3 Volume: 10). Einen guten Ein­blick in die visu­elle Epis­temik die­ser wis­sen­schaft­li­chen Bil­der gibt Die­ter Merschs Text “Visu­elle Argu­mente. Zur Rolle der Bil­der in den Natur­wis­sen­schaf­ten”.

(Bil­der © niceone.org, google)

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SIGINT 2012

SIGINT 2012

Am Wochen­ende vom 18. bis 20. Mai 2012 fin­det die SIGINT in Köln statt, die vom Chaos Com­pu­ter Club ver­an­stal­tet wird. Bei der SIGINT geht es um Mit­wir­kung und Ver­än­de­run­gen, um gesell­schafts­po­li­ti­sche For­de­run­gen und Uto­pien, um Hack­ti­vis­mus, krea­tive Norm­ver­let­zun­gen und Spaß am Gerät. Ich werde lei­der nicht da sein und freue mich des­halb umso mehr, dass die Vor­träge auf­zeich­net wer­den und im Anschluss auf media.ccc.de zur Ver­fü­gung ste­hen. So zum Bei­spiel hof­fent­lich der Vor­trag von Leena Simon über “Social Swarm” oder der von mspro über “Eigen­tum, Sex, Cloud”. Wei­ter­le­sen »

Das Piratische

Das Piratische

Das Pira­ti­sche ist infla­tio­när. Es durch­dringt als posi­tive wie als nega­tive Meta­pher unse­ren Kul­tur­raum: Pira­ten ent­füh­ren Con­tai­ner­schiffe, ihre frü­he­ren “Nes­ter” die­nen inzwi­schen als Offshore-Plattformen für die neuen Finanz­pi­ra­ten, Pira­ten entern die Pop­kul­tur (als Dep­pen) ebenso wie die Par­la­mente. Und schließ­lich rau­ben sie Dinge, die man nicht klauen kann. Im Sinne des Letz­te­ren hat der Social Sci­ence Rese­arch Coun­cil (SSRC) gerade “Media Piracy in Emer­ging Eco­no­mies” her­aus­ge­ge­ben. Anhand unter­schied­li­cher Facet­ten der Pira­te­rie in soge­nann­ten Schwel­len­län­dern wird die Kul­tur­tech­nik des Kopie­rens darin aus der Per­spek­tive der Kon­su­men­ten zu unter­su­chen, anstatt aus Sicht der Pro­du­zen­ten. Aus dem Vor­wort: “Piracy impo­ses an array of costs on pro­du­cers and distributors—both domestic and international—but it also pro­vi­des the main form of access in deve­lo­ping coun­tries to a wide range of media goods, from recor­ded music, to film, to soft­ware. Wei­ter­le­sen »

Data Journalism Handbook

Data Journalism Handbook

Das Data Jour­na­lism Hand­book is gerade online gegan­gen. Das Buch soll eine frei nutz­bare Quelle und Refe­renz für alle sein, die sich für das sich zuneh­mend eta­blie­rende Feld des Daten­jour­na­lis­mus sein und bie­tet tat­säch­lich sowohl eine sehr gelun­gene Ein­füh­rung in das Feld mit kon­kre­ten Fall­bei­spie­len aus der Pra­xis, als auch wei­ter gehende Anlei­tun­gen zu Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung, -ver­ar­bei­tung und-distribution. Das Pro­jekt ist ursprüng­lich auf einem Work­shop des Mozilla Fes­ti­vals 2011 in Lon­don her­vor­ge­gan­gen. Wei­ter­le­sen »

Das Versprechen der Technik

Die neue Aus­gabe der Zeit­schrift “welt-sichten” ist mit dem Schwer­punkt “Digi­tale Medien: Das Ver­spre­chen der Tech­nik” erschie­nen. Aus dem Ankün­di­gungs­text: “Von Com­pu­ter, Handy und Inter­net hat man sich große Fort­schritte bei der Bil­dung, Gesund­heits­ver­sor­gung und Armuts­be­kämp­fung in armen Län­dern ver­spro­chen. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik allein hilft hier indes wenig. Inter­net­platt­for­men durch­bre­chen jedoch Infor­ma­ti­ons­mo­no­pole; das begüns­tigt Demo­kra­tie­be­we­gun­gen wie in Malay­sia. Nicht nur des­halb ver­su­chen viele Regie­run­gen, das Netz zu zen­sie­ren.” Es ver­wun­dert mich aller­dings, dass die ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Debatte sich noch immer an der Wider­le­gung der These abar­bei­tet, dass Informations- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien allein poli­ti­sche Ver­än­de­rung ansto­ßen, wie etwa bei Ken­taro Toy­ama. Das sind wir doch schon lange drü­ber hinweg…

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Öffentlichkeit im Wandel

Öffentlichkeit im Wandel

Just in time zur Re:peublica hat die Heinrich-Böll-Stiftung den elf­ten Band in der Reihe Schrif­ten zu Bil­dung und Kul­tur her­aus­ge­ge­ben. Aus der Ankün­di­gung: “Das ver­än­derte Medi­en­ver­hal­ten und der Schwund der Wer­be­ein­nah­men in den Print­me­dien füh­ren bei den Ver­la­gen und den Sen­dern zu einer inten­si­ven Suche nach neuen Verwertungs- und Dis­tri­bu­ti­ons­mo­del­len. Die Öffent­lich­keit ist im Wan­del – nicht ohne gra­vie­rende Fol­gen für den Jour­na­lis­mus. Neue Akteure – meist ohne Zer­ti­fi­kat der Jour­na­lis­ten­schu­len – tre­ten im Inter­net auf und ver­än­dern den pro­fes­sio­nel­len Jour­na­lis­mus durch neue For­men.” Dazu gibt es einige Lese- und Hör­pro­ben sowie einen Pod­cast von Phi­lip Banse und Sarah Gott­schalk. Wei­ter­le­sen »

Between Social Media & Protest

Between Social Media & Protest

Das DFG-Netzwerk Medien der kol­lek­ti­ven Intel­li­genz ver­an­stal­tet am 10. Mai eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung zum Thema “Col­la­bo­ra­tion on the Web – Bet­ween Social Media & Pro­test” mit Phil­ippe Aigrain. Das Netz­werk unter­sucht Prak­ti­ken der Koope­ra­tion, die unter dem Begriff der kol­lek­ti­ven Intel­li­genz ver­han­delt wer­den und beson­ders die Neu­be­stim­mung des Inter­nets als Social Web zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts prä­gen. Aus dem Ankün­di­gungs­text der Ver­an­stal­tung: “The trans­for­ma­tive power of social media and Web 2.0 is one of the cen­tral topoi of the begin­ning of the 21st cen­tury. But only recently have we seen the diver­sity of social pro­ces­ses asso­cia­ted with these new media and tech­no­lo­gies, from Facebook’s (and others’) cor­po­rate re-appropriation and fencing-in of the Inter­net to the crea­tive use of the same tech­no­lo­gies to help topple opp­res­sive regimes in North Africa. Wei­ter­le­sen »

Digital Development Debates

Digital Development Debates

Die neue Aus­gabe von Digi­tal Deve­lop­ment Deba­tes ist seit April online und wid­ment sich dem Thema “tran­si­tion”. Lesen­wert ist zum Bei­spiel der Arti­kel “Lost in Tran­si­tion – How to Achieve Sus­tainable Media Deve­lop­ment in the 21st Cen­tury” in der Medien-Sektion von Frank Habann (Uni Offen­burg). Habann geht darin der Frage nach wie sich die Indi­ka­to­ren für die Mess­bar­keit nach­hal­ti­ger Medi­en­ent­wick­lung ver­än­dern, wenn “media orga­ni­sa­ti­ons are incre­a­sin­gly being repla­ced by online-based com­mu­nities”. Der digi­tale Medi­en­wan­del kommt bis­her tat­säch­lich nur lang­sam in der inter­na­tio­na­len Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit an. Zwar gibt es groß­ar­tige Pilot­pro­jekt, doch sind Metho­den und Eva­lua­ti­ons­kri­te­rien nach wie vor maß­geb­lich von klas­si­schen Medi­en­st­ruk­tu­ren geprägt. Das sind erste Schritte… Wei­ter­le­sen »

MICT: Reinventing the public sphere in Libya

MICT: Reinventing the public sphere in Libya

MICT hat eine neue Online-Publikation über die Trans­for­ma­tion der lybi­schen Medi­en­land­schaft her­aus­ge­ge­ben. Dort kom­men vor allem auch junge lybi­sche Jour­na­lis­ten, Blog­ger und Medi­en­ma­chenr zu Wort. Ein guter Ein- und Über­blick zur Medi­en­si­tua­tion in Lybien. Aus der Ein­lei­tung von Anja Wol­len­berg: “Almost all of the new Libyan media makers work for the cause wit­hout money. They see them­sel­ves as poli­ti­cal activists, revo­lu­tio­nary figh­ters on broad­cas­ting and publishing’s front lines. And this kind of atti­tude is necessary to Libya’s natio­nal evo­lu­tion – it is, and will con­ti­nue to be, nee­ded. Howe­ver, the power­ful poli­ti­cal ambi­ti­ons of those invol­ved in making the media are in sharp con­trast to the usual, daily func­tion of local media - that is sim­ply, to pro­vide infor­ma­tion. This core func­tion has been some­what side­lined for the time being. And it is in this area that local media will need to expand its objec­tives.” Wei­ter­le­sen »

BMZ Medienpreis Entwicklungspolitik

BMZ Medienpreis Entwicklungspolitik

Nächste Woche, am 26. April, fin­det der BMZ Medi­en­preis Ent­wick­lungs­po­li­tik im Spind­ler & Klatt statt. Aus dem Ankün­di­gungs­text: “Entwicklungs- und Schwel­len­län­der schei­nen oft weit ent­fernt – dabei betrifft uns das Gesche­hen in die­sen Län­dern zuneh­mend. Der Medi­en­preis Ent­wick­lungs­po­li­tik wür­digt jour­na­lis­ti­sche Bei­träge der Kate­go­rien Print, TV, Hör­funk und Online, die durch außer­ge­wöhn­li­che Qua­li­tät das öffent­li­che Bewusst­sein für Ent­wick­lungs­po­li­tik schär­fen.” För­dert das BMZ eigent­lich auch Medi­en­pro­jekte jen­seits von Jour­na­lis­mus bzw. Bericht­er­stat­tung oder sind das dann keine “Medien”-Projekte? Ich muss mal einen Blog­post schrei­ben über das Ver­hält­nis von MEZ und Medi­en­be­griff… Wei­ter­le­sen »

Die Digitale Gesellschaft

Die Digitale Gesellschaft

Mar­kus Becke­dahl, des­sen Blog ich seit Jah­ren lese, hat gemein­sam mit Falk Lüke ein Buch geschrie­ben (ja auf Papier): “Die digi­tale Gesell­schaft: Netz­po­li­tik, Bür­ger­rechte und die Macht­frage” (dtv) soll eine Ein­füh­rung in die Kon­flikt­fel­der der Netz­po­li­tik geben. Aus dem Ankün­di­gungs­text: “Viele poli­ti­sche Akti­vi­tä­ten, die das Inter­net betref­fen, sind sinn­los, weil sie auf man­gelnde Sach­kennt­nis zurück­ge­hen oder tech­nisch und juris­tisch man­gel­haft durch­dacht sind. Das gilt für jeder­zeit umgeh­bare Inter­net­sper­ren gegen Kin­der­por­no­gra­fie wie für For­de­run­gen, die Anony­mi­tät im Netz auf­zu­he­ben. Nicht nur die chi­ne­si­schen Dis­si­den­ten haben Pseud­onyme, schon Tucholsky und Brandt hat­ten sie, und mit gutem Grund. Wei­ter­le­sen »

Digital Media in the Arab World One Year After the Revolutions

Das Cen­ter for Inter­na­tio­nal Media Assis­tance (CIMA) hat eine Stu­die von Jef­frey Ghan­nam ver­öf­fent­licht, die den Zusam­men­hang zwi­schen der jün­ge­ren Ver­brei­tung und Eta­blie­rung digi­ta­ler Medien und der Trans­for­ma­tion der poli­ti­schen Kul­tur in der ara­bi­schen Welt ana­ly­siert. Aus dem Ankün­di­gungs­text: “the year fol­lo­wing the start of the Arab revolutions–in Tuni­sia, Egypt, Libya and vio­lent upri­sings in Syria, Yemen, and Bahrain–was fol­lo­wed by con­ti­nued repres­sion and thre­ats to the exer­cise of free expres­sion online and off­line. But the year also saw great stri­des in the num­bers of Arabs across the region turning to social media plat­forms and the ascen­dancy of online enga­ge­ment. Wei­ter­le­sen »

Data Journalism Awards

Data Journalism Awards

Das Glo­bal Edi­tors Net­work ver­leiht erst­mals die Data Jour­na­lism Awards (in Zusam­men­ar­beit mit dem Euro­pean Jour­na­lism Centre und finan­ziert von Google). Wei­ter­le­sen »